Nährwerte verständlich erklärt
Jeden Nährstoff antippen, um zu lesen, was er im Pferd macht, warum er wichtig ist, wann es kritisch wird und wie viel ein Pferd braucht.
Mengenelemente
Calcium
Was es im Pferd macht
Rund 99 Prozent des Calciums im Pferdekörper liegen im Skelett; bei einem mittelgroßen Pferd sind das etwa sieben Kilogramm. Der winzige Anteil im Blut übernimmt Aufgaben, die keinen Aufschub dulden: Muskelkontraktion, Reizweiterleitung, Blutgerinnung. Diesen Blutspiegel hält der Organismus konstant — wenn nötig, indem er Calcium aus dem Knochen mobilisiert.
Warum es wichtig ist
Eine Ration, die über Monate hinweg genug Calcium liefert, hält den Knochen als Depot aufgefüllt statt ihn zu leeren. Das ist der Unterschied zwischen einem Skelett, das dauerhaft trägt, und einem, das die Fütterung stillschweigend ausgleichen muss.
Wann es kritisch wird
Calcium lässt sich nicht allein beurteilen. Liefert die Ration dauerhaft wenig Calcium oder viel Phosphor, verschiebt sich das Verhältnis zulasten des Knochens. Als Rahmen gilt: mindestens gleich viel Calcium wie Phosphor, höchstens dreimal so viel. Ein moderater Überschuss an Calcium ist dagegen unkritisch.
Wie viel ein Pferd braucht
Erhaltung: etwa 12 g täglich bei 300 kg bis rund 20 g bei 600 kg Körpergewicht. Arbeit verändert diesen Wert kaum; deutlich höher liegt der Bedarf bei tragenden und säugenden Stuten sowie im Wachstum.
Phosphor
Was es im Pferd macht
Ungefähr vier Fünftel des Phosphors sitzen im Skelett und härten es gemeinsam mit Calcium aus. Was übrig bleibt, ist im laufenden Betrieb unterwegs: Phosphor steckt im Molekül ATP, über das Zellen ihre Energie bereitstellen, und die Dickdarmflora braucht ihn, um Rohfaser aufzuschließen.
Warum es wichtig ist
Eine Ration mit passendem Phosphoranteil versorgt zwei Systeme gleichzeitig — die Knochensubstanz und die Energiegewinnung in der Zelle. Beide fallen nicht auf, solange sie stimmen.
Wann es kritisch wird
Nicht die Höhe der Zufuhr entscheidet, sondern das Verhältnis. Viel Getreide bedeutet viel Phosphor; bleibt er über Wochen im Übergewicht, wird weniger Calcium aufgenommen und der Knochen gleicht die Differenz aus. Als Rahmen dient dieselbe Spanne wie beim Calcium — Phosphor nie über Calcium, Calcium höchstens im dreifachen Anteil.
Wie viel ein Pferd braucht
Erhaltung: etwa 8 g täglich bei 300 kg bis 14 g bei 600 kg — damit stets etwas unter dem Calciumwert. Wachstum, Trächtigkeit und Laktation heben den Bedarf an.
Magnesium
Was es im Pferd macht
Magnesium wirkt als Helfer in einer großen Zahl enzymatischer Reaktionen und ist an der Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel beteiligt. Gespeichert wird es überwiegend in Knochen und Muskulatur.
Warum es wichtig ist
Eine ausreichend mit Magnesium versorgte Ration stützt genau die Prozesse, die im Alltag nicht auffallen, solange sie laufen — Muskelarbeit und Reizweiterleitung. Man bemerkt sie meist erst, wenn etwas fehlt.
Wann es kritisch wird
Eine echte Unterversorgung ist selten und am ehesten bei intensiv gedüngtem, artenarmem Weidegras zu erwarten. Beobachtet werden dann Übererregbarkeit, Muskelzittern und Verspannungen bis hin zu Krämpfen. Überschüsse verträgt ein gesundes Pferd gut; Vorsicht ist nur geboten, wenn Magnesium UND Phosphor reichlich zugeführt werden — diese Kombination erhöht das Risiko für Harngries.
Wie viel ein Pferd braucht
Erhaltung: rund 53 mg je Kilogramm metabolischer Körpermasse und Tag (kg KM^0,75) — praktisch etwa 4 g täglich bei 300 kg bis 6 g bei 600 kg. Arbeit hebt den Bedarf mäßig, Laktation und Wachstum deutlich.
Natrium
Was es im Pferd macht
Natrium verteilt das Wasser zwischen den Zellen und dem Raum dazwischen, ist an Muskel- und Nervenfunktion beteiligt und steuert, wann ein Pferd überhaupt Durst empfindet.
Warum es wichtig ist
Hier liegt die einzige Lücke, die Raufutter systematisch offen lässt. Eine Ration mit gesichertem Salzangebot hält Trinkverhalten, Kreislauf und Muskelarbeit stabil — besonders bei Wärme und Schweißverlust.
Wann es kritisch wird
Bei knapper Zufuhr sinkt die Trinkmenge, die Ermüdung setzt früher ein, und Kreislauf sowie Leistung können nachgeben. Über Schweiß gehen zusätzlich erhebliche Mengen verloren. Ein frei zugänglicher Salzleckstein deckt das einfach ab. Ein Zuviel ist bei gesunden Pferden mit freiem Wasserzugang unproblematisch.
Wie viel ein Pferd braucht
Der reine Grundbedarf ist klein (etwa 2–3 g täglich); mit Sicherheitszuschlag werden rund 13 g bei 300 kg bis 23 g bei 600 kg empfohlen — bei Schweiß deutlich mehr. Mit freiem Zugang zu Salz reguliert das Pferd die Menge in der Regel selbst.
Chlorid
Was es im Pferd macht
Chlorid tritt in der Ration fast immer zusammen mit Natrium auf — beide bilden Kochsalz. Gemeinsam regeln sie Flüssigkeitsverteilung und Säure-Basen-Gleichgewicht; zusätzlich liefert Chlorid den Baustein für die Magensäure.
Warum es wichtig ist
Stimmt das Salzangebot der Ration, ist Chlorid automatisch mit abgedeckt. Es ist damit der Nährstoff, um den man sich am wenigsten gesondert kümmern muss — solange Natrium stimmt.
Wann es kritisch wird
Die relevanten Verluste laufen über den Schweiß. Bei langem, starkem Schwitzen ohne Ausgleich kann der Chloridhaushalt aus dem Gleichgewicht geraten; ein Salzleckstein fängt das ab.
Wie viel ein Pferd braucht
Erhaltung: etwa 17 g täglich bei 300 kg bis 29 g bei 600 kg — in der Praxis gemeinsam mit Natrium über Kochsalz gedeckt.
Kalium
Was es im Pferd macht
Kalium ist das Mengenelement im Zellinneren und bildet mit Natrium das Paar, über das jede Zelle ihr elektrisches Gleichgewicht regelt. Davon hängen Reizleitung und Muskelkontraktion ab.
Warum es wichtig ist
Weil Gras und Heu von Natur aus viel Kalium enthalten, ist dieser Posten in einer raufutterbasierten Ration praktisch immer erfüllt. Wichtig ist er trotzdem — er gehört zu den Werten, die man prüft, um sie abhaken zu können.
Wann es kritisch wird
Eine Unterversorgung ist bei üblicher Fütterung kaum zu erwarten. Bedeutsam werden Verluste erst bei sehr hoher Belastung mit starkem Schwitzen. Überschüsse scheidet ein gesundes Pferd unproblematisch aus.
Wie viel ein Pferd braucht
Erhaltung: etwa 15 g täglich bei 300 kg, rund 25 g bei 600 kg. Diese Spanne erreicht eine raufutterbetonte Ration praktisch von selbst.
Schwefel
Was es im Pferd macht
Schwefel gelangt fast ausschließlich als Bestandteil von Aminosäuren ins Pferd. Methionin und Cystin bauen unter anderem Keratin auf, das Struktureiweiß von Hufhorn, Haar und Haut.
Warum es wichtig ist
Wer die Eiweißversorgung der Ration im Blick hat, versorgt Schwefel automatisch mit. Ein eigener Schwefelposten in der Rationsberechnung erübrigt sich damit.
Wann es kritisch wird
Ein isolierter Schwefelmangel spielt in der Praxis keine Rolle, solange Eiweiß und Aminosäuren stimmen. Eine gezielte Schwefelzufuhr über das übliche Futter hinaus ist im Regelfall nicht erforderlich.
Wie viel ein Pferd braucht
Einen Tagesrichtwert, mit dem man rechnet, führt die Bedarfstabelle für Schwefel nicht; das Lehrbuch erwähnt einen Rechenwert, behandelt ihn aber ausdrücklich nicht weiter. Als versorgt gilt ein Pferd, dessen Ration genug Eiweiß und darin Methionin und Cystin mitbringt.
Spurenelemente
Eisen
Was es im Pferd macht
Eisen bindet Sauerstoff und gibt ihn dort wieder ab, wo gearbeitet wird. Etwa vier Fünftel des Vorrats zirkulieren im Blut, der Rest sitzt im Muskelfarbstoff und in Speichern. Ohne dieses Spurenelement gäbe es keinen Sauerstofftransport.
Warum es wichtig ist
Eine Ration mit ausreichend Eisen hält die Blutbildung im Gang. Der eigentliche Prüfpunkt ist hier aber ein anderer: Fast jedes Grundfutter liefert bereits genug — die Frage ist eher, ob eine Ergänzung unnötig obendrauf kommt.
Wann es kritisch wird
Beim Eisen liegt das Risiko oben, nicht unten. Die Aufnahme wird im Darm streng gedrosselt, und Mangel entsteht praktisch nur bei Fohlen oder nach Blutverlust. Großzügig ergänzte Mengen bringen dagegen keinen Vorteil und belasten auf Dauer die Leber.
Wie viel ein Pferd braucht
Erhaltung: rund 420 mg täglich bei 500 kg — eine Menge, die übliches Futter mühelos mitbringt. Als Obergrenze gelten 1000 mg je kg Futter-Trockenmasse.
Zink
Was es im Pferd macht
Zink arbeitet in einer großen Zahl von Enzymen mit, vor allem dort, wo Gewebe ständig nachgebildet wird: Haut, Schleimhäute, Haarkleid und Hufhorn. Auch die Immunabwehr greift darauf zurück.
Warum es wichtig ist
Alles, was am Pferd nachwächst, hängt an dieser Versorgung. Weil Heu und Gras hier regelmäßig unter dem Bedarf bleiben, ist Zink einer der wenigen Posten, bei denen sich die Rechnung fast immer lohnt.
Wann es kritisch wird
Knapp wird es aus zwei Richtungen: Das Grundfutter liefert oft zu wenig, und viel Getreide oder viel Calcium in derselben Ration bremsen zusätzlich die Aufnahme. Sichtbar wird eine Unterversorgung an schuppiger, borkiger Haut, Haarverlust und häufigen Infekten. Nach oben ist die Spanne weit — Überschüsse sind unproblematisch.
Wie viel ein Pferd braucht
Erhaltung: 423 mg täglich bei 500 kg, entsprechend 30–40 mg je kg Futter-Trockenmasse. Da Raufutter das selten allein schafft, ist Zink in fast jeder Ergänzung enthalten.
Kupfer
Was es im Pferd macht
Kupfer wird gebraucht, wenn Blut gebildet, Farbstoff eingelagert oder Bindegewebe aufgebaut wird. Daran hängen festes Horn, tragfähige Sehnen und Bänder sowie ein geordneter Knochenstoffwechsel.
Warum es wichtig ist
Überall dort, wo Gewebe zugleich fest und elastisch sein muss, ist Kupfer beteiligt. In Rationen für tragende Stuten und heranwachsende Pferde zahlt dieser Posten auf Strukturen ein, die Jahre halten sollen.
Wann es kritisch wird
Raufutter bringt häufig wenig Kupfer mit, weshalb gerade Zuchtstuten- und Fohlenrationen unter dem Bedarf bleiben. Eine Unterversorgung kann sich in aufgehelltem Fell sowie in Problemen an Bindegewebe und Skelett äußern. Verträglich ist Kupfer gut; erst dauerhaft sehr hohe Gaben belasten die Leber.
Wie viel ein Pferd braucht
Erhaltung: rund 106 mg am Tag für ein 500-kg-Pferd; bezogen auf die Trockenmasse sind das 8–10 mg je Kilogramm. Wo Nachwuchs heranwächst oder eine Stute trägt, plant man am oberen Ende.
Mangan
Was es im Pferd macht
Mangan wirkt als Helfer zahlreicher Enzyme, die am Mineral- und Fettstoffwechsel beteiligt sind, und wird beim Aufbau von Knorpel gebraucht — also dort, wo Gelenke belastbar bleiben sollen. Auch die Immunabwehr nutzt es.
Warum es wichtig ist
In einer normalen Ration ist dieser Posten unauffällig erfüllt. Er gehört trotzdem in die Rechnung — geprüft wird nicht nur, was fehlt, sondern auch, was bereits gedeckt ist.
Wann es kritisch wird
Unterversorgungen sind beim Pferd kaum beschrieben. Auffällig wird eher das andere Ende: Sehr hohe Mangangehalte im Grünfutter können die Eisenaufnahme stören und damit Blutarmut begünstigen.
Wie viel ein Pferd braucht
Erhaltung: rund 420 mg täglich bei 500 kg, entsprechend etwa 40 mg je kg Futter-Trockenmasse — meist schon über das Grundfutter erreicht.
Selen
Was es im Pferd macht
Selen gehört zur Abwehr des Körpers gegen oxidative Schäden: Zusammen mit Vitamin E hält es Zellmembranen davor sicher, von aggressiven Abbauprodukten angegriffen zu werden. Die beiden ergänzen sich, sie ersetzen einander nicht.
Warum es wichtig ist
Bei keinem anderen Posten der Ration ist genaues Rechnen so wichtig. Selen ist der Nährstoff, bei dem eine Analyse den größten Unterschied macht — nach Gefühl zu ergänzen wird hier schnell riskant.
Wann es kritisch wird
Beide Richtungen sind heikel. Viele Böden liefern zu wenig, und dann leiden Abwehr und Muskulatur (bei Fohlen bis hin zur Weißmuskelkrankheit). Nach oben ist die verträgliche Spanne aber ungewöhnlich schmal: Ab etwa 2 mg je kg Futter-Trockenmasse ist mit Vergiftungen zu rechnen. Deshalb gehört Selen genau dosiert, am besten auf Grundlage einer Analyse.
Wie viel ein Pferd braucht
Erhaltung: 1,1 mg täglich bei 500 kg, entsprechend 0,1–0,2 mg je kg Futter-Trockenmasse. Zwischen Unterversorgung und Überdosierung liegt hier weniger Raum als bei jedem anderen Nährstoff.
Jod
Was es im Pferd macht
Aus Jod bildet die Schilddrüse ihre Hormone, und diese Hormone bestimmen mit, in welchem Tempo der Stoffwechsel arbeitet. Gebraucht werden dafür winzige Mengen — die aber verlässlich.
Warum es wichtig ist
Wenige Milligramm entscheiden hier über einen Regelkreis, der den ganzen Körper betrifft. In der Rationsrechnung ist Jod deshalb ein Posten, den man nicht überschlägt, sondern nachrechnet.
Wann es kritisch wird
Ungewöhnlich an diesem Nährstoff: Zu wenig und zu viel führen zum selben Bild, nämlich zu einer vergrößerten Schilddrüse. Besonders Algenpräparate bringen oft unerwartet hohe Mengen mit und rutschen unbemerkt in den Überschuss. Gefragt ist die knapp bemessene, richtige Menge.
Wie viel ein Pferd braucht
Erhaltung: rund 1,6 mg täglich bei 500 kg, entsprechend 0,2 mg je kg Futter-Trockenmasse. Bei einer Obergrenze von 4 mg je kg Futter bleibt wenig Spielraum.
Kobalt
Was es im Pferd macht
Kobalt wirkt nicht direkt, sondern als Bestandteil von Vitamin B12. Die Mikroben im Darm bauen aus dem Kobalt des Futters dieses Vitamin, das für Blutbildung und Nervenfunktion gebraucht wird.
Warum es wichtig ist
Dieser Posten erledigt sich in der Praxis von selbst, solange die Darmflora arbeitet und die Ration normal zusammengesetzt ist. Er steht in der Rechnung, damit man ihn abhaken kann.
Wann es kritisch wird
Bei üblicher Fütterung ist Kobalt gedeckt; eine echte Unterversorgung ist beim Pferd nicht beschrieben. Eng werden kann es allenfalls auf sehr armen Sand- und Verwitterungsböden.
Wie viel ein Pferd braucht
Eine Tagesmenge wird für Kobalt nicht angegeben. Orientierung bietet der Gehalt im Futter: etwa 0,1 mg je Kilogramm Trockenmasse gelten als sicher.
Vitamine
Vitamin A (mit β-Carotin)
Was es im Pferd macht
Vitamin A wird für Haut und Schleimhäute gebraucht, für das Sehen und für die Immunabwehr. Ins Pferd gelangt es nicht als fertiges Vitamin, sondern als β-Carotin aus grünem Pflanzenmaterial — daraus stellt der Körper es selbst her.
Warum es wichtig ist
Schleimhäute sind die erste Grenze gegen Krankheitserreger, und ihre Erneuerung hängt an diesem Vitamin. Solange frisches Grün auf dem Speiseplan steht, deckt die Ration diesen Posten von allein.
Wann es kritisch wird
Die Stallmonate sind der kritische Zeitraum: Gelagertes Heu verliert einen Großteil seines β-Carotins, sodass über Wochen eine Lücke entstehen kann — sie zeigt sich an sprödem Horn, trockenen Schleimhäuten und häufigeren Infekten. In der Gegenrichtung ist fertiges Vitamin A in hoher Dosis toxisch; als Dauergabe gilt die Marke von 1000 IE je kg Körpergewicht und Tag als Obergrenze. Beim reinen β-Carotin besteht dieses Risiko nicht.
Wie viel ein Pferd braucht
Erhaltung: etwa 15.900 IE am Tag für ein 500-kg-Pferd; für Zuchtstuten und Fohlen liegt der Wert deutlich höher. Wird reines β-Carotin gegeben, gelten für Zuchtstuten mindestens 200 mg täglich.
Vitamin D
Was es im Pferd macht
Vitamin D steuert, wie viel Calcium und Phosphor aus dem Futter aufgenommen und im Skelett abgelegt werden. Anders als bei vielen Nährstoffen ist die Ration dabei nur eine Quelle unter zweien: Bei Tageslicht bildet die Haut das Vitamin selbst.
Warum es wichtig ist
Ohne Vitamin D nützt der beste Calciumgehalt der Ration wenig — es ist die Verbindung zwischen Futter und Knochen. Beim Pferd fällt seine Rolle im Calciumhaushalt allerdings kleiner aus als bei anderen Tierarten.
Wann es kritisch wird
Eine Unterversorgung ist bei Pferden mit Tageslicht kaum beschrieben. Das Risiko liegt eindeutig oben: Pferde reagieren empfindlich auf Überdosierung, bis hin zu Kalkablagerungen in Gefäßen und Organen. Wer mehrere vitaminierte Mischfutter kombiniert, sollte die Summe im Blick behalten.
Wie viel ein Pferd braucht
Erhaltung: etwa 3.200 IE am Tag für ein 500-kg-Pferd — im Vergleich zu anderen Vitaminen wenig. Bei der Ergänzung ist Zurückhaltung die bessere Richtung.
Vitamin E
Was es im Pferd macht
Vitamin E fängt aggressive Sauerstoffverbindungen ab, bevor sie Zellmembranen angreifen — besonders in Herz- und Skelettmuskulatur. Selen übernimmt dieselbe Aufgabe an anderer Stelle; beide zusammen bilden den antioxidativen Schutz.
Warum es wichtig ist
Je mehr Muskelarbeit eine Ration begleiten muss, desto mehr zählt dieser Posten. Bei Sportpferden gehört Vitamin E zu den Werten, die man bewusst plant statt hofft.
Wann es kritisch wird
Frisches Weidegras bringt reichlich mit, überlagertes Heu und alter Hafer dagegen wenig — im Stallwinter kann die Ration also unter den Bedarf rutschen. Sichtbar wird das an der Muskulatur (bei Fohlen gemeinsam mit Selenmangel als Weißmuskelkrankheit). Nach oben ist Vitamin E gutmütig; Nachteile treten erst bei extremen Mengen auf.
Wie viel ein Pferd braucht
Erhaltung: etwa 530 mg am Tag für ein 500-kg-Pferd. Wo die Muskulatur stark beansprucht wird oder Probleme bestehen, liegt der Bedarf deutlich darüber.
Vitamin K
Was es im Pferd macht
Vitamin K macht die Blutgerinnung möglich und wirkt zusätzlich im Knochenstoffwechsel mit. Den größeren Teil erzeugt die Darmflora, sodass die Ration hier meist nur ergänzt.
Warum es wichtig ist
Dass Blut bei einer Verletzung gerinnt, ist überlebenswichtig — und bei intaktem Darm ohne Zutun der Fütterung gesichert. In der Rationsrechnung ist das ein Posten, den man prüft und abhakt.
Wann es kritisch wird
Zwei Lagen machen es kritisch: eine geschädigte Darmflora, etwa nach Durchfall oder unter bestimmten Medikamenten, sowie verdorbenes Futter mit Stoffen, die gegen dieses Vitamin arbeiten. Bei gesunden Pferden ist eine laufende Gabe nicht angezeigt. Für Vitamin K über das Futter ist beim Pferd keine Giftigkeitsgrenze bekannt; gefährlich ist Menadion — eine künstlich hergestellte Form dieses Vitamins — nur als Injektion, und die ist eine Entscheidung des Tierarztes.
Wie viel ein Pferd braucht
Eine Tagesmenge ist nicht festgelegt. Als ausreichend sicher gilt ein Gehalt von 0,5 mg je kg Futter-Trockenmasse — praktisch übernimmt das die Bildung im Darm.
Vitamin B1
Was es im Pferd macht
Thiamin, wie Vitamin B1 auch heißt, steht am Anfang der Energiegewinnung aus Kohlenhydraten und wird zugleich für eine geordnete Nervenfunktion gebraucht.
Warum es wichtig ist
Der Bedarf wächst mit dem Anteil an Kohlenhydraten in der Ration — je mehr Stärke und Zucker, desto mehr B1. Bei viel Raufutter liefern Futter und Darmflora diesen Posten gemeinsam.
Wann es kritisch wird
Eng wird es bei sehr kraftfutterbetonten, rohfaserarmen Rationen sowie durch Stoffe, die B1 zerstören — sie stecken in Schimmel, Sumpfschachtelhalm und Adlerfarn. Zeichen einer Lücke sind Schreckhaftigkeit, unkoordinierte Bewegungen und nachlassende Leistung. Ein Überschuss über das Futter ist unbedenklich.
Wie viel ein Pferd braucht
Erhaltung: 32 mg täglich rechnet man für 500 kg Lebendgewicht, in der Trockenmasse entspricht das 3–5 mg je Kilogramm. Wer viel leistet, liegt am oberen Ende.
Vitamin B2
Was es im Pferd macht
Riboflavin — Vitamin B2 — arbeitet in den Reaktionen mit, die Energie freisetzen, und wird ebenso beim Umbau von Fett- und Eiweißbausteinen gebraucht.
Warum es wichtig ist
Dieser Posten erfüllt sich in einer üblichen Ration ohne Zutun. Er steht in der Rechnung, damit man ihn geprüft abhaken kann statt ihn zu vergessen.
Wann es kritisch wird
Eine Unterversorgung ließ sich beim Pferd bislang nur unter Versuchsbedingungen herstellen; im Stallalltag spielt sie keine Rolle. Mehr als nötig über das Futter ist unbedenklich.
Wie viel ein Pferd braucht
Erhaltung: etwa 21 mg am Tag für ein 500-kg-Pferd, entsprechend rund 2 mg je kg Futter-Trockenmasse.
Vitamin B6
Was es im Pferd macht
Pyridoxin — Vitamin B6 — begleitet den Umbau von Aminosäuren und macht das Eiweiß aus dem Futter für den Körper verwendbar.
Warum es wichtig ist
Weil Darmflora und Grundfutter diesen Bedarf gemeinsam tragen, taucht B6 in einer normalen Rationsrechnung nicht als Problemstelle auf.
Wann es kritisch wird
Eine für sich stehende Unterversorgung kommt beim Pferd selten vor. Denkbar ist sie bei gestörter Darmflora oder sehr einseitig zusammengesetzten Rationen.
Wie viel ein Pferd braucht
Für Pferde ist kein eigener Tagesrichtwert festgelegt — die Bedarfsrechnung führt die wasserlöslichen B-Vitamine bewusst nicht als eigenen Posten. Die Versorgung gilt über die Bildung im Darm und das Futter als gedeckt.
Vitamin B12
Was es im Pferd macht
Kobalamin — Vitamin B12 — wird überall dort gebraucht, wo sich Zellen teilen, allen voran bei der Blutbildung, und für gesunde Nervenfunktion. Es ist das einzige Vitamin mit Kobalt im Zentrum.
Warum es wichtig ist
In der Ration zählt weniger das Vitamin selbst als das Kobalt, aus dem der Darm es herstellt. Wer diesen Rohstoff im Blick hat, hat den Rest miterledigt.
Wann es kritisch wird
Solange der Darm arbeitet, ist eine zusätzliche Gabe überflüssig — selbst niedrige Gehalte im Futter führten kaum je zu einem Mangel. Bei stark abgemagerten oder blutarmen Pferden kann eine Gabe die Blutbildung unterstützen.
Wie viel ein Pferd braucht
Eine feste Tagesmenge gibt es für das Pferd nicht — die Bedarfsrechnung führt die wasserlöslichen B-Vitamine nicht als eigenen Posten. Bei üblicher Fütterung und ausreichend Kobalt trägt die Bildung im Darm die Versorgung.
Vitamin C
Was es im Pferd macht
Ascorbinsäure — Vitamin C — schützt Zellen vor oxidativem Verschleiß. Beim Pferd übernimmt die Leber die Herstellung, sodass das Futter diese Aufgabe nicht erfüllen muss.
Warum es wichtig ist
Genau darin liegt der Unterschied zur menschlichen Ernährung: Was bei uns täglich auf den Teller muss, erzeugt das Pferd selbst. Eine Ergänzung ist die Ausnahme, nicht die Regel.
Wann es kritisch wird
Beim gesunden Pferd stellt sich die Frage nach einer Lücke nicht. In besonderen Belastungs- oder Krankheitslagen — etwa bei Problemen der Atemwege — kann eine Gabe sinnvoll sein.
Wie viel ein Pferd braucht
Weil die Leber diesen Stoff selbst herstellt, führt die Bedarfstabelle für Vitamin C keine Tagesmenge über das Futter — genannt wird dort nur eine Höchstmenge, und zwar für die Verwendung als Antioxidans, nicht als Nährstoff.
Biotin (Vitamin H)
Was es im Pferd macht
Biotin zählt zur B-Gruppe und wird gebraucht, wenn Keratin entsteht — das Struktureiweiß, aus dem Hufhorn, Haut und Fell bestehen. Ein Teil stammt aus der Bildung im Darm.
Warum es wichtig ist
Es ist der Posten, den Pferdebesitzerinnen am ehesten vom Etikett kennen. Wichtig dabei: Horn wächst langsam, deshalb rechnet sich eine gute Versorgung erst über Monate, nicht über Wochen.
Wann es kritisch wird
Ist die Darmflora gestört, sinkt der Anteil aus eigener Bildung. Bei schlechtem, brüchigem Hufhorn wird Biotin deshalb gezielt ergänzt — sichtbare Veränderungen brauchen allerdings Monate, weil nur nachwachsendes Horn davon profitiert.
Wie viel ein Pferd braucht
Erhaltung: etwa 3 mg am Tag für ein 500-kg-Pferd. Zur gezielten Unterstützung des Hufhorns werden in der Praxis häufig höhere Mengen eingesetzt.